Besser hätten wir es auch nicht sagen können. Deshalb zitieren wir aus den Stuttgarter Nachrichten vom 4. Februar den Kommentar von Arnold Rieger.
„Mehr als 8000 Gemeinderäte stellen die Freien Wähler im Land, fast so viele wie CDU und SPD zusammen. Auch in den Kreistagen geht nichts ohne sie - die Kommunalpolitik ist fest in den Händen von parteilich ungebundenen Bürgern. Wie erklärt sich dieser Trend? Inhaltlich unterscheiden sich die freien Kandidaten doch gar nicht so sehr von ihren Kolleginnen und Kollegen mit Parteibuch. Auch Christ- und Sozialdemokraten, Grüne oder Liberale nehmen für sich in Anspruch, nur der Sache zu dienen - ohne Farbenlehre im Hinterkopf. Dennoch genießen die Freien Wähler das größte Vertrauen. Lässt sich das nicht für andere Parlamente nutzen?
Der Erfolg der Freien Wähler hat viel mit ihrer unorganisierten, lockeren Struktur zu tun. Es ist gerade das Fehlen eines Programms, das Fehlen von landes- und bundespolitischen Vorgaben, das die Bürger so schätzen. Und noch etwas fehlt, mit dem Parteikandidaten immer mal wieder in Verbindung gebracht werden: die Möglichkeit zu einer politischen Karriere. Wer sich unter diesen Vorzeichen die Nächte mit Baugesuchen und Abwassersatzungen um die Ohren schlägt, so das Bild, der handelt aus purem Gemeinsinn.
An diesem Eindruck mag vieles verklärt sein - trotzdem ist er Teil des Erfolgsrezepts. Wer versucht, die Freien Wähler programmatisch zu festigen, der läuft Gefahr, dass man sie mit den Parteien in einen Topf wirft. Ohne einheitliches Programm aber lässt sich ein bundesweiter Wahlkampf nicht vorstellen. Europapolitik, das ist etwas für Politprofis, die mühsam Aufmerksamkeit für ihre Themen suchen. Und es ist das Gegenteil der Graswurzeldemokratie, die tagtäglich in unseren Dörfern und Städten gepflegt wird.
Baden-Württembergs Freie Wähler wissen das und laufen deshalb Sturm gegen die Pläne des bayerischen Schwesterverbands. Der ist noch ganz beseelt vom Erfolg bei der Landtagswahl und vergisst darüber, dass dies eine landespolitische Denkzettelwahl für die CSU war. Die Gruppierung bot sich dem bürgerlichen Wähler als willkommene Alternative. Doch funktioniert das auch bei der Europawahl? Für Bayern mag das vielleicht zutreffen. Im Südwesten aber finden am selben Tag auch Kommunalwahlen statt - und zwar gegen den Willen der Freien Wähler, die in dieser Terminüberschneidung eine Entwertung der Kommunalpolitik sehen. Niemand würde verstehen, wenn nun ausgerechnet sie einen Europawahlkampf führten.“